Pressestimmen

"Man darf sich nicht so wichtig nehmen"

Die Liebe zum Schauspiel kam für ihn "überraschend" - nämlich exakt zu dem Zeitpunkt, als er in einer Kindertheaterproduktion bereits auf der Bühne stand. "Ich wollte nur reinschnuppern, aber das erste Mal vor Publikum war ein richtiges Schlüsselerlebnis für mich." Damals war der 1964 in Wien geborene Christian Nisslmüller immerhin schon 22. Den Beruf des Hochbautechnikers schmiss er alsbald hin, um Schauspiel zu studieren. Es folge eine wechselhafte Karriere, wie es sie selten gibt. Gleich nach der Diplomprüfung engagierte ihn Claus Peymann ans Burgtheater, gemeinhin der Traum eines jeden Akteurs. Vier Jahre lang spielte das junge Talent unter Regie-Granden wie Achim Benning oder Peter Zadek, von dem er heute noch schwärmt. "Mit ihm zu arbeiten ist für jeden Schauspieler ein Gewinn. Ich hatte auch das Glück, eine der besten Produktionen mit ihm zu machen, die es jemals gegeben hat: Iwanow von Tschechow." Dennoch verließ er das Haus, "da man als Junger dort nicht oft eingesetzt wird. Ich aber wollte spielen, spielen, spielen." Der Schritt in die Freiheit war zunächst ein Sturz ins Bodenlose, denn plötzlich kamen keine Angebote mehr. Warum, weiß keiner, "aber so ist das eben manchmal in dem Beruf". Nisslmüller war ausgebrannt, suchte einen geregelten Job, heuerte als Botenjunge in einer Bank an und "merkte dort, wie schön mein Beruf eigentlich ist". Seit dem geht's wieder bergauf. Nach unzähligen Produktionen quer durch Österreich und Deutschland ist der noch immer als "Jungschauspieler" titulierte aktuell in "Don Giovannis amouröse Abenteuer" in Laxenburg und im Schnitzler-Stück "der Ehrentag" im Theater Reichenau zu sehen. Angebote für ein fixes Theaterangagement gibt's auch wieder, "aber eigentlich will ich lieber frei bleiben". All die Ups&Downs hatten für Christian Nisslmüller durchaus auch Gutes: "Die Gefahr abzuheben bestand dadurch nie", lacht er. Das kann er ohnehin auf der Bühne.

Interview mit der Wiener Kulturstadtzeitung CITY, Juli 2002